GAS – Rückblick April 2026

vom 11. Mai 2026

Gas Mai 2026: Korrektur ja, Entspannung nein

Der Preis-Tsunami im März war auch noch im April spürbar: Zwar fielen die Notierungen an den Spotmärkten um rund 15 Prozent auf durchschnittlich 45,84 EUR/MWh. Doch als Hypothek aus dem Nahost-Konflikt schleppt der Gaspreis nach wie vor mindestens 10 EUR/MWh in die Folgemonate mit. Dass im Mittel des finalen Monatsdrittels ein Preis von 44,79 EUR/MWh stand, ist besonders bemerkenswert vor dem Hintergrund, dass im Januar dieses Jahres der Monatsdurchschnitt bei 51,90 EUR/MWh stand. Ohne den Iran-Krieg und die von ihm ausgelösten Irrungen und Wirrungen wäre die aktuelle Preiskorrektur wahrscheinlich als rein positiv bewertet worden – und hätte Anlass zu Hoffnung auf weitere Reduzierungen gegeben.

Nichtsdestotrotz ist der Gasmarkt weiterhin extrem angespannt. Die geopolitischen Unsicherheiten und das Gezerre um die Straße von Hormus halten an. Bedingt durch den weitgehenden Produktionsausfall des Marktführers Qatar steht der LNG-Markt massiv unter Druck. Aus europäischer Sicht kommt erschwerend hinzu, dass die nationalen Gasspeicher wieder aufgefüllt werden müssen. Das erhöht den Preisdruck nochmals. Europaweit liegen die Füllstände mittlerweile bei etwas mehr als 30 Prozent. Jüngst forderte der Bundesrat die Bundesregierung offiziell auf, „unverzüglich eine Strategie zu entwickeln, um die Gasspeicherfüllstände bis zur Heizperiode 2026/2027 auf ein angemessen sicheres Niveau zu heben“. Angebotsseitig ist jedoch vorerst nicht mit Normalität zu rechnen, da erhebliche LNG-Mengen, die eigentlich für Europa bestimmt waren, nach Asien umgelenkt werden, weil die dortigen Käufer mehr zahlen. 

Die tatsächliche Entwicklung des Gaspreises in den kommenden Monaten ist eng an die politischen Entscheidungen und Entwicklungen gekoppelt. Allein die Andeutung einer Beruhigung erlaubt den Märkten, die Preise moderat zu senken und auch wieder Niveaus von unterhalb der 40-EUR/MWh-Marke zu erreichen. Unabhängig davon wird eine relative Unterversorgung bis in den Sommer hinein die Preise höher halten, als sie eigentlich sein müssten.

Auch im April-Future für das Folgejahr 2027 ist nach dem Preisschock im März (40,86 EUR/MWh oder +40 Prozent gegenüber dem Februar) eine erste Reduzierung auf 38,55 EUR/MWh angekommen.

Kontraktpreise:

Kontrakt April: im Durchschnitt 56,16 EUR/MWh 
Kontrakt Mai: im Durchschnitt 45,44 EUR/MWh
Kontrakt +3Mon: im Durchschnitt 45,52 EUR/MWh

Autor: Dimitrios Koranis


Dieser Beitrag erschien am 11.05.2026 bei KI Web (Kunststoff-Information)